Wetzlar - Lahnau
KÖNNEN TRIFFT LEIDENSCHAFT
Konzert von Dmitri Galtsev und Nikolaj Mandrovski in Wetzlar
Wetzlar (tjl). Virtuoses Können und mitreißende Interpretationen haben die jungen russischen Musiker Dmitri Caltsev (Balalaika) und Nikolaj Mandrovski (Knopfakkordeon) am Sonntagabend im Konzertsaal der Musikschule geboten. Das Konzert war Abschluss der zweieinhalb Tage dauernden Aktion „Hoffnung fьr Osteuropa“, die vom Evangelischen Kirchenkreis Wetzlar und der Evangelischen Kirche Im Rheinland veranstaltet wurde.
Beide Künstler sind Studenten an der Musikhochschule Tambov. Vor Konzertbeginn gaben sie bekannt, dass das Gastspiel in Wetzlar ihre erste Auslandsreise überhaupt sei. Der 20-jährige Galtsev spielt seit 13 Jahren Balalaika und ist nun im ersten Studienjahr. Überdies ist er bereits Mitglied professioneller Balalaika-Orchester. Der 22-jährige Mandrovski erhielt im Alter von acht Jahren seinen ersten Akkordeonunterricht. Er hat gerade sein Examen gemacht und befindet sich im Aufbaustudium.
Seit Jahren unterhält der Evangelische Kirchenkreis, die Goethegesellschaft und das Kammerorchester, dessen Leiter Martin Knell die Instrumen-talisten für das Konzert ausfindig gemacht hat, Beziehungen nach Tambov. Knell wies in seiner BegrüЯungsansprache auf den auЯergewöhnlichen und besonderen Charakter des Musikabends hin, da die Instrumentkombination Balalaika und Knopfakkordeon (Bajan) hierzulande eher selten anzutreffen ist. Auch erläuterte er vorab die Spielweise. Durchs Programm führten die Musiker in ihrer Muttersprache. Maria Kshevinsky, Geigerin im Kammerorchesters, übersetzte.
Zu Beginn wurden die 120 Zuhörer in die Barockzeit geführt. Präzise und ausgereift spielte das Duo Menuette im altertümlichen Stil, die der deutsch-russische Zeitgenosse Alfred Schnittke komponiert hat. Es folgte ein Vortrag von zwei Sätzen aus einem Vivaldi-Konzert in a-Moll. Am Akkordeon spielte Mandrovski solo den langsamen Satz mit intensivem Gefühlsausdruck, dabei lotete er jede Note spannungsreich aus. Nicht minder fesselnd intonierte er den folgenden Satz. In nur einer Nacht komponierte Michael Tsayger die Fantasie über ein russisches Volkslied, die Galtsev nuanciert expressiv vortrug. Dramatisch aufgeladen, rhythmisch drängend erklang auch eine Suite im spanischen Stil von Beloshitsky für Akkordeon solo. Ein weiters Stück für Akkordeon zeichnete die Atmosphäre einer Zirkusvorstellung nach.
«Kalinka»in grandiosen Variationen ist gelungener Abschluss
Bravourös meisterte Galtsev an der Balalaika das technisch finessenreiche Caprice Nr. 24 von Niccolo Paganini. Ebenfalls hervorragend spielten die Musiker abwechselnd oder gemeinsam viele russische Volkslied-Bearbeitungen. Hier zeigten sie wiederholt, dass sie über eine ausgezeichnet souveräne Spieltechnik verfügen sowie über eine immense Gefühlstiefe und durchdachtes Differenzierungsvermögen.
Das bekannte Lied «Kalinka», beseelt und temperamentvoll wiedergegeben, war der abschließende Konzerthöhepunkt. Das hingerissenen Publikum klatschte schwungvoll ausgelassen im Takt mit und feierte das Duo mit reichlich Applaus. Die Musiktalente bedankten sich im Gegenzug mit weiteren grandiosen «Kalinka»-Variationen.
Dienstag, 22/04/2008