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Musikschuliester Wolfram Lutz über eine neue Kooperation mit Tambov

RUSSLAND-AUSTAUSCH SOLL NICHT NUR FÜR SPITZENSCHÜLER DA SEIN

TETTNANG — Weiter ist die Musikschule Tettnang noch nie weggefahren: Am Freitag macht sich eine Tettnanger Delegation auf nach Russland — zur neuen Partnermusikschule in Tambov. Jan Georg Plavec hat sich mit Direktor Wolfram Lutz über die Hintergründe unterhalten.

SZ: Wie kommt man mit einer russischen Musikschule ins Gespräch, Herr Lutz?
Wolfram Lutz: Unser Violinlehrer Rudolf Rampf lehrt zugleich an Trossingens Musikhochschule. Diese Hochschule hat regelmäßig Austausch mit ihrer Partnerhochschule in Tambov, dem Rachmaninov-Institut, organisiert. So kam der Kontakt zustande.

SZ: Sie waren bei der Organisation also nicht ganz auf sich allein gestellt...
Wolfram Lutz: Bei der Organisation wie auch finanziell. Weil die Tettnanger bei russischen Gastfamilien untergebracht sind, wird der Austausch vom deutsch-russischen Jugendwerk gefördert. Außerdem beteiligt sich unser Förderverein an den Kosten.

SZ: Wer darf denn alles zum ersten Besuch in Russland mit?
Lutz: Wir fliegen mit dem Streichkammerorchester «Il Giardino» — vier Lehrer und rund zwanzig überaus begabte Schüler, allesamt Preisträger bei «Jugend musiziert». Für eine Stadt wie Tettnang reist da eindeutig ein Elite-Orchester nach Russland. Ein Konzert gibt «Il Giardino» allein, eines präsentieren wir mit unseren russischen Freunden. Wir spielen Benjamin Brittons «Simple Symphony» und ein Trompetenkonzertvon Torelli, bei dem Schüler Manuel Peitzker Solist sein wird.

SZ: Das hört sich nach einem anspruchsvollen Programm an.
Lutz: Ja, wir versuchen, uns nicht auf eine Epoche festzulegen, wir wollen Klassik wie Modernes spielen. Manuel Peitzker, seit 15 Jahren an unserer Schule, möchte später Musik studieren, der Auftritt als Solist ist gewissermaßen Belohnung — und Ansporn.

SZ: Wo sehen Sie den besonderen Nutzen für die Musikschule als Ganzes?
Lutz: Für unsere Schüler ist die Partnerschaft eine unglaubliche Motivation. Die Musik verbindet; in den Gastfamilien lernen die Schöler außerdem eine andere Kultur kennen. Für mich ist es spannend, den Standard der musikalischen Ausbildung in Russland kennenzulernen, wo es im kulturellen Bereich Spitzenförderung gab.

SZ: Spitzenförderung, Eliteorchester — sind die Austausche mit Russland nur etwas für die Besten?
Wolfram Lutz: Dass man beim ersten Mal ein Aushängeschild rüberschickt, ist klar. Ziel ist aber, diesen Austausch nicht nur für Spitzenschüler zu organisieren. Ich versuche, den Musikschülern jedes Jahr einen Auslandsaufenthalt anzubieten, denn so eine Fahrt ist für jeden eine Bereicherung.

SZ: Können Sie diesen Ausflug der Tettnanger Musikschule genießen?
Wolfram Lutz: Nun ja, das war schon eine der anstrengendsten Aktionen, die ich je organisiert habe, und vor Ort geben wir Lehrer ja auch Workshops, und wir besichtigen Moskau. Inzwischen spüre ich aber reine Vorfreude, und der Austausch soll auf jeden Fall wiederholt werden.

SZ TT, 30/08/2007

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